21 Jahre nach Gründung von KulturGut e.V. blicken wir wieder zurück auf ein turbulentes Jahr. Es fällt nicht leicht, was die geopolitischen Zusammenhänge betrifft, das mit positiver Grundeinstellung zu tun.
Die Zeiten lassen eher Pessimismus aufkommen:
Noch immer diese schlimmen Kriege, besonders der russische Angriffskrieg in der Ukraine und der nicht einmal halbwegs beendete in Gaza.
Neue Meldungen über die Situation bezüglich des menschengemachten Klimawandels sehen wichtige Kippunkte erreicht oder immer näherkommen. Besonders wir „aufgeklärten“ Menschen in den Ländern des Westens leben so lange schon über die Grenzen des ökologisch Möglichen, als gäbe es drei Erden. Der Wille umzusteuern fehlt weitgehend. Ja, fast hat man den Eindruck als wollten viele sich nochmal so richtig in den Konsum stürzen, bevor das nicht mehr geht.
Die Welt am Abgrund – und wir?
Wir restaurieren ein altes Weinhändlerhaus.
Sind wir naiv? Sind wir auf der Flucht aus der harten Wirklichkeit? Stecken wir etwa vor den großen Welt-Problemen den Kopf in den Sand, statt diese frontal anzugehen? Ja, vielleicht!
Vielleicht aber pflanzen wir auch – wie es Martin Luther in den Mund gelegt wird – unser sprichwörtliches Apfelbäumchen. Buchlerhaus-Restaurierung als Symbol der Hoffnung, als unser (kleiner) Beitrag, dass es ein Morgen, ein gutes und menschenfreundliches Morgen geben kann.
So sei also in unserem kleinen Rahmen, in aller Bescheidenheit, Rückblick gehalten auf das nun zuende gehende Jahr.
Es war wieder ein recht arbeitsames und dichtes Jahr!
Das Jahres-Abschluss-Essen des (erweiterten) Vorstands ist seit Jahren Tradition. Zuvor besuchen wir immer einen besonderen Ort – meist im Zusammenhang mit den Main- und Tauberfränkischen Weinhandelshäusern – um dann in der Nähe beim Essen die Gemeinschaft zu pflegen.
Am 18.1. waren wir zu einer höchst interessanten Führung bei Manfred Giolda im Abendanzschloss in Distelhausen. Die meisten kannten – wenn überhaupt – dieses Gebäude nur von außen und waren höchst erstaunt und begeistert, welche barocken Schätze sich darin verbergen.
Infolge eines Baustopps durch die untere Denkmalbehörde stagniert allerdings die so notwendige Restaurierung.

Die Weinhändlerfamilie Abendanz war übrigens über mehrere Zusammenhänge verwandtschaftlich mit der Buchlerfamilie verbunden.
Den 15.2. haben wir nicht offiziell gefeiert, aber intern doch intensiv daran gedacht:
Auf den Tag genau vor genau 20 Jahren haben wir beim Notar im Rathaus in Lauda den Kaufvertrag für das Buchlerhaus unterschrieben. Ein denkwürdiger Tag!
Bei einer (der vielen) Vorstandssitzungen beschlossen wir im Frühjahr, die 20-jährige Vereinsgründung (12.11.2004) und die 20-jährige Wiederkehr des Tags des Buchlerhauskaufs gebührend zu feiern.
Sogleich begannen die intensiven und aufwändigen Vorbereitungen der drei geplanten Veranstaltungen.
Am 30.5. waren neben den Mitgliedern von KulturGut alle bisherigen Sponsoren zu einem Danke-Abend eingeladen. Bei festlicher Musik von Seiten zweier Lehrkräfte der Jugendmusikschule Lauda und einem Überraschungsauftritt Johann Michael Buchlers alias Michael Helget, wurde allen Wohltäter*innen gedankt und wir enthüllten die zu diesem Anlass gefertigte (lange schon fällige) Sponsorentafel.


Der Abend des 31.5. war der Vernetzung der Besitzer*innen und Betreuer*innen der Main- und Tauberfränkischen barocken Weinhändlerhäuser gewidmet. Viele waren der Einladung gefolgt und es kam nach einem hochinteressanten Vortrag durch Dr. Christian Naser (Zell) bei Sekt und Häppchen und rund um die zu diesem Anlass erstellte Ausstellung zu angeregten Gesprächen. Es wurde – zu unserer Überraschung – ein richtig langer Abend. Dem vielfach geäußerten Wunsch, ein solches Treffen in absehbarer Zeit zu wiederholen, werden wir versuchen nachzukommen.



Die Informationen und Bilder zu den Weinhändlerhäusern sind inzwischen auf unsere Initiative hin auch auf der Website der Stadt Lauda-Königshofen zu finden (https://www.lauda-koenigshofen.de/kultur+_+tourismus/kultur/weinhandelshaeuser).

Zum Tag der offenen Tür am Sonntag, 1.6. war dann die Bevölkerung eingeladen zu Kaffee und Kuchen, zu Live-Musik (Klaus Thomas) und zu Führungen.
Wir hatten zu diesem Anlass auch wieder einen kleinen Flohmarkt vorbereitet. Das gesamte Angebot fand guten Anklang.


Viel beachtet wurde auch die Ausstellung im oberen Bereich der Scheune zu den Aktivitäten von Kulturgut zwischen 2014 und 2025. Diese Ausstellung ergänzt die seit unserem 10-jährigen bestehende Dokumentation zu den Jahren 2004 – 2013.
Lässt man die Jahre Revue passieren, gerät man unwillkürlich ins Staunen, was sich in dieser Zeit alles getan hat, wieviel Arbeit wir geleistet haben, mit welchem Optimismus wir ans Werk gegangen sind. Eine absolut sehenswerte Ausstellung!
In besonderer Weise kam unser Buchlerhaus – genauer: der große Saal – zur Geltung durch einen Beitrag im Bayrischen Fernsehen. Dr. Ary van Wijnen, der mit seiner Familie in Gerlachsheim wohnt, gab dort dem BR da am 25.8. ein Interview zu Albert Schweitzer, bei dem er als junger Arzt in seinem Urwald-Hospital in Lambarene/Gabun gearbeitet hat. Anlass für das Interview war der 60. Todestag Schweitzers.

Am 27.9. fuhren wir mit drei Personen auf Einladung des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen (Ministerin Razavi) und des Landesamts für die Denkmalpflege (LAD) zu einem Ehrenamtsforum in Stuttgart. Bei dieser sehr ansprechenden und inspirierenden Veranstaltung gab es viele Informationen und gute Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. Wir haben uns mit den Anliegen von KulturGut intensiv eingebracht.
Die Jahreshauptversammlung fand am 25.10. statt. Es stand wieder die Wahl zum Vorstand an. Die Mitglieder des bestehenden Vorstands waren alle bereit, wieder zu kandidieren, allerdings wiederum nur für ein weiteres Jahr. Alle wurden wiedergewählt. Und zu unserer besonderen Freude: Ingeborg Götz wird den Vorstand nun tatkräftig als gewählte Beisitzerin unterstützen.
Auch mit DenkMalRegenerativ (vormals DenkMalNachhaltig) haben wir weitergearbeitet. In einem Video-Call wurde beschlossen, mit einem noch einmal komprimierten Exposé bei der Buchlerfamilie anzufragen, ob sie sich, – bei entsprechender finanzieller Beteiligung – die Nutzung eines Teils des Buchlerareals als Zentrum für Familienzusammenkünfte vorstellen könnten.
Das wurde inzwischen allerdings mit Bedauern verneint.

Mit unserem 3. Adventsflohmarkt am 23.11. haben wir das Vereinsjahr erfolgreich abgeschlossen. In vorweihnachtlich-festlicher Atmosphäre, mit reich bestückten Warentischen, mit einer Menge an selbstgebastelten Sternen und anderen Dingen und mit Glühwein, alkoholfreiem Punsch und Spekulatius hatten wir einen schönen Markt, der von vielen Menschen besucht wurde.

Die klirrende Kälte wenige Tage zuvor hatte die Wasserleitung einfrieren lassen, sodass wir uns mit Wasser aus der Nachbarschaft behelfen mussten. Inzwischen konnten – ohne dass ein größerer Schaden entstanden wäre – Haus und Scheune winterfest gemacht werden.
Ein herzliches Dankeschön an alle, die unser Buchlerprojekt unterstützen, als Mitarbeitende, Vereinsmitglied oder auch einfach „nur“ ideell. Das macht uns Mut und gibt uns Kraft, unser „Apfelbäumchen zu pflanzen“, in der Hoffnung, dass es Früchte tragen wird! So wollen wir weiter hoffnungsvoll in die Zukunft gehen!
Wir wünschen allen ein gesegnetes frohes Weihnachtsfest und für 2026 Frieden, Gesundheit und viele glückliche Stunden!
Für den Vorstand,
Josef Seubert


